19. März 2009

Sehbehinderung und Erblindung

im höheren Lebensalter

 

 

 

von Karl Matthias Schäfer

 

 

1.      Problemfeld und Definitionen

 

Liest oder hört man durch die Medien von sehbehinderten und blinden Menschen, so betrifft dies meistens junge Menschen, die unter Einsatz modernster technischer Hilfsmitttel im Berufsleben ihren Mann oder ihre Frau stehen. Seit Beginn der organisierten Blindenbildung vor ca. 200 Jahren galten die Bemühungen zur Rehabilitation von sehbehinderten und blinden Menschen fast ausschließlich der jungen Generation. Erst in den letzten Jahren rückte die größte Gruppe der blinden und sehbehinderten Menschen, die Senioren, in den Mittelpunkt der Bemühungen um Rehabilitation.

 

Nach den jüngsten veröffentlichten Zahlen aus Bayern sind von 17.556 erblindeten Menschen 12.334 über 60 Jahre alt (Bayrisches Landesamt für Versorgung und Familienförderung 1998). Die Dunkelziffer dürfte jedoch sehr hoch sein, denn das Auftreten schwerer Sehbeeinträchtigungen im höheren Lebensalter wird oft als zum „normalen“ Alternsprozess zugehörig angesehen. Durch Unkenntnis von Ärzten, Angehörigen und  Pflegepersonal in Seniorenheimen werden die Betroffenen und ihre Angehörigen oft nicht über mögliche Hilfen informiert.

 

Während Rehabilitationsangebote z. B. für Schlaganfallpatienten nahezu selbstverständlich sind, fehlt hinsichtlich entsprechender Angebote für im Alter erblindete und sehbehinderte Menschen bislang die finanzielle Grundlage und das Bewusstsein. Darüber hinaus gibt es außer in Bayern kaum flächendeckende Beratungs‑ und Trainingsangebote.

 

In der Gerontologie werden Menschen ab dem 60. oder ab dem 65. Lebensjahr als „alte Menschen“ betrachtet. In der gerontologischen  Literatur werden ältere Menschen in die folgenden Gruppen eingeteilt (vgl. Dolsen 1992):

 

1.    Die Menschen der älteren mittleren Jahre (50 bis 64 Jahre); Diese Gruppe ist meistens gesund, hat ihr eigenes Zuhause und kontrolliert die persönlichen Angelegenheiten selbst. Steht diese Gruppe noch im Berufsleben, so befinden sie sich gerade auf der höchsten Stufe ihres Einkommens. Die Kinder verlassen das Haus, und so muss die eigene Rolle innerhalb der Familie neu definiert werden. Es ist möglich, dass die Senioren dieser Altersgruppe, besonders zu Beginn des 6. Lebensjahrzehnts, zwei Aufgaben zu bewältigen haben: Zum einen tragen sie Verantwortung für die noch zu Hause lebenden Kinder, die sich beispielsweise noch im Studium befinden, zum anderen müssen sie die eigenen hochbetagten Eltern unterstützen.

 

2.    Die  jungen Alten (65 bis 74 Jahre):                Von ihnen wird der Alternsprozess häufig als eine Serie von Verlusten wahrgenommen. z. B.

 

– Verlust an Einkommen durch den Übergang in Rente,   

– Verlust von gleichaltrigen und älteren Angehörigen und Freunden,

– Verlust bzw. Einschränkungen in der Mobilität,

– Verlust oder Einschränkungen im Sehen und Hören;

– Verlust oder Minderung der körperlichen Leistungsfähigkeit und

– Einschränkungen in Ihrer Unabhängigkeit von anderen Personen.

 

3.    Die alten Alten (74 Jahre und älter):                Die Menschen dieser Altersgruppe sind am häufigsten von chronischen Erkrankungen betroffen, und haben Probleme sich den zunehmenden Einschränkungen anzupassen.

 

Diese Kategorien sollen lediglich als Orientierung dienen und verdeutlichen, dass die Gruppe derjenigen, die wir pauschal mit der Kategorie „Alte Menschen“ bezeichnen, eine sehr heterogene Gruppe mit sehr verschiedenen Ausgangsbedingungen bei der Bewältigung von Einschränkungen ist. Außerdem umfasst die Kategorie „alten Menschen“ mehr als vier Lebensjahrzehnte, was schon allein zu sehr differenzierter Betrachtungsweise Anlass geben sollte.

 

 

2.      Besonderheiten sehbehinderter und blinder Senioren

 

Die meisten stark sehbeeinträchtigten Menschen werden also in einer Lebensphase mit der Sehschädigung konfrontiert, in der die Kompensation durch die anderen Sinne nicht mehr so flexibel und in dem Maße möglich ist, wie bei von Geburt an blinden oder sehbehinderten Menschen. Zusätzliche gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie Einschränkungen des Tastsinnes durch lebenslange schwere Arbeit, altersbedingte Hörbeeinträchtigungen etc. führen zu erheblichen Einschränkungen im Alltag und erschweren die Anpassung an die Erfordernisse einer Sehbeeinträchtigung. Neben weiteren möglichen körperlichen oder Sinneseinschränkungen kann auch das soziale Umfeld der Betroffenen durch diskriminierendes Verhalten bzw. Unwissenheit bezogen auf Alter und Sehschädigung zusätzliche Probleme verursachen. So werden die Betroffenen oft als völlig hilflos bis zur Unzurechnungsfähigkeit angesehen und dementsprechend auch behandelt. Dinge werden für sie und über ihren Kopf hinweg entschieden und für sie erledigt. Sie werden völlig aus der Verantwortung für sich und ihre Familie entlassen. Kaum jemand bringt die Geduld und Zeit für präzise Beschreibungen auf, die für Blinde und Sehbehinderte notwendig sind, um sich in ihrer Umwelt zurecht finden zu können.

 

Geht die sehgeschädigte Person beispielsweise mit Begleitung zum Arzt, einkaufen usw. wird oft anstatt des Betroffenen die Begleitperson angesprochen: „Welche Kleidergröße hat sie?“ „Wann hat er die Beschwerden zum erstenmal gehabt?“ „Will sie sich setzen?“.

 

Aufgrund derart diskriminierenden Verhaltens werden selbst vor Eintritt der Behinderung sehr lebenslustige und zugängliche Menschen plötzlich mürrisch, verschlossen oder auch aggressiv.

 

 

Wie ältere sehgeschädigte Menschen den Verlauf ihrer Sehschädigung und die hierdurch entstehenden Probleme erleben und bewältigen, ist von verschiedenen Bedingungsfaktoren abhängig. Dabei spielen eine Rolle (vgl. Merte u. a. 1995, S. 580 f):

 

   die jeweiligen Krankheitssymptome des Auges;

   der Erblindungsmodus;

   das Vorhandensein weiterer Beeinträchtigungen;

   die Gesamtkonstitution;

   die geistige Flexibilität;

   das Selbstbewusstsein des Einzelnen;

   das Alter;

   die Konzentrationsfähigkeit;

   das Verständnis und die Akzeptanz des sozialen Umfelds;

   das eigene Verständnis von Behinderung.

 

 

Aufgrund der beschriebenen Einflussfaktoren sollte bei der Unterstützung älterer Menschen zwischen dem objektiven augenärztlichen Befund und der subjektiven Sehleistung unterschieden werden. Der objektive Befund bezeichnet das medizinisch diagnostizierbare Sehvermögen. Subjektive Sehleistung bezieht sich auf das, was der Betroffene aufgrund der oben beschriebenen Einflussfaktoren durch geschicktes Ausnutzen seines verbliebenen Sehvermögens unter Einbeziehung der anderen Sinne noch anfangen kann (vgl. Schweizerischer Zentralverein für das Blindenwesen 1994, S.11). So fühlt sich der eine Betroffene fast blind, weil er in seiner Orientierung stark verunsichert ist, was oft Angst und Panik auslöst. Er ist unkonzentriert und kann deshalb seine verbliebenen Sinne zur Kompensation nicht optimal ausnutzen. Ein anderer, der schon immer ein gutes Orientierungsvermögen hatte, kann sich besser konzentrieren und reimt sich mit Hilfe seines Vorstellungsvermögens einiges zusammen und kann seine anderen Sinne entsprechend optimal zur Kompensation nutzen. So kann der Eindruck entstehen, dass er mit seinem verbliebenen Sehvermögen mehr anfangen kann als dies nach medizinischen Befunden möglich erscheint.

 

Bei einigen Augenerkrankungen beeinflusst die jeweilige Tagesform die Möglichkeiten der Ausnutzung des Sehrestes: Schwankungen der Konzentrationsfähigkeit oder unterschiedliche Lichtverhältnisse führen dazu, dass alltägliche Verrichtungen, die am Vortag noch problemlos bewältigt werden konnten, heute nicht mehr durchführbar sind, am nächsten Tag aber wieder gelingen.

 

Dies bereitet sehgeschädigten Menschen gerade im Zusammenleben mit ihren sehenden Mitmenschen oft Probleme, da Angehörige, Freunde etc. oft nicht verstehen können, dass die sehgeschädigte Person heute Hilfe bei Verrichtungen benötigt, die ihr gestern noch gut allein gelungen sind. Dies kann von den Angehörigen als Bequemlichkeit oder Schikane empfunden werden. Daher haben die medizinischen und gesetzlichen Definitionen von Blindheit und Sehbehinderung in der alltäglichen Arbeit mit älteren sehgeschädigten Menschen nur zweitrangige Bedeutung.

 

 

Sehr unterschiedliche Auswirkungen auf das subjektive Sehvermögen hat die Art, wie die Sehschädigung eintritt (Erblindungsmodus). Es spielt eine wesentliche Rolle, ob jemand von einer progressiven Verschlechterung der Sehfähigkeit betroffen ist, die langsam zur völligen Erblindung führt, oder ob er durch einen Unfall oder eine plötzliche Erkrankung unerwartet in seiner Sehfähigkeit stark beeinträchtigt wird (vgl. Ahrbeck u. Rath 1994, S. 28).

 

Während im mittleren Lebensalter bei den fortschreitenden Augenerkrankungen v. a. die Retinitis Pigmentosa eine wichtige Rolle spielt, bekommt bei den älteren Menschen neben Glaukom und Katarakt, die bedingt operabel sind, die altersbedingte Makuladystrophie bzw. das Makulaödem eine immer größere Bedeutung. Sie führen – im Gegensatz zur Retinitis Pigmentosa – zwar nicht zur völligen Erblindung, verursachen im Endstadium jedoch eine gravierende Sehbeeinträchtigung.

 

Ist das Wissen über die fortschreitende Sehschädigung für den Einzelnen auch grausam, so liegt in solchen Fällen jedoch die Chance, sich vorab mit einigen Problemen auseinanderzusetzen. Es ist möglich, sich auf die Situation nach der völligen Erblindung einzustellen. Durch eigene Ideen und mit Unterstützung von Fachleuten können die Betroffenen individuelle Techniken zur Bewältigung alltäglicher Verrichtungen entwickeln und erlernen (Merte u. a. 1995, S.586).

 

Schwieriger ist die Bewältigung bei Menschen, die innerhalb weniger Tage oder Wochen von einer extremen Sehverschlechterung ‑ bis hin zur völligen Erblindung ‑ betroffen sind. Ursachen hierfür sind: Unfälle, Tumorerkrankungen im Sehnervbereich, unerwartet auftretende irreparable Netzhautablösung, Schlaganfall oder Erkrankungen, die Durchblutungsstörungen im Sehnervbereich auslösen. Diese Menschen können innerhalb weniger Tage selbst einfachste alltägliche Verrichtungen nicht mehr ohne fremde Hilfe durchführen (vgl. Merte u. a. 1995, S. 586 f).

 

Ein in der Öffentlichkeit wenig unbekanntes Problem für Neuerblindete kann das Auftreten von „Phantombildern“ darstellen. Hierbei handelt es sich um Bilder von Menschen oder Gegenständen, die plötzlich vor dem geistigen Auge entstehen.

 

Menschen, die aufgrund blindheitsbedingter Isolation von solchen extremen „Tagträumen“ befallen werden, erschrecken, zweifeln an ihrem Verstand und trauen sich häufig nicht, anderen Menschen davon zu erzählen. Sowohl der Betroffene selbst als auch seine Mitmenschen können sich dieses Phänomen meist nicht erklären. Gerade alten Menschen können derartige Erscheinungen leicht als beginnende Demenz ausgelegt werden.

 

Senioren, die in ein Altenwohnheim oder zu Verwandten ziehen, leiden verstärkt unter räumlicher Desorientierung. Sie brauchen deshalb besonders viel geduldige Unterstützung bei der Beschreibung und Erarbeitung der wichtigsten Wege in der neuen Umgebung. In ihrer Vorstellung ist immer noch die altvertraute Umgebung verankert, in der sie sich bis zu ihrem Umzug aufgehalten haben.

Für jeden neuerblindeten Menschen ist es schon schwer, sich in den eigenen vier Wänden wieder orientieren zu können. Man kann sich also vorstellen, welche Mühe, Zeit und Konzentration es kostet, sich in einer fremden Umgebung wenigstens einige ganz grundlegende Orientierungspunkte zu erarbeiten. Mitunter haben die Betroffenen auch das Gefühl, dass sie plötzlich schlechter sehen können, da sie in der fremden Umgebung größere Orientierungsprobleme haben.

 

Angehörige, Berater, Ärzte und Pflegepersonal sollten nie das Sehvermögen von sehbeeinträchtigten alten Menschen beurteilen oder vergleichen, bevor sie ausreichende Informationen über das Krankheitsbild und die Lebensumstände der späterblindeten Person haben; wichtig ist eine genaue Kenntnis der Vorgeschichte und der Krankheitssymptome.

Daraus kann eine relativ realistische Einschätzung der Möglichkeiten und Grenzen des Betroffenen gewonnen werden.

 

 

3.      Schlussfolgerungen

 

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass sehgeschädigten Senioren die gleichen Rehabilitationsangebote zur Verfügung stehen müssen wie jungen sehgeschädigten Menschen. Allerdings müssen Angebote wie Sehresttraining, Orientierungs‑ und Mobilitätstraining (O&M) und Training lebenspraktischer Fertigkeiten (LPF) noch mehr als bei jüngeren Rehabilitanden auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden. Entsprechende Hilfsmittel sollten bezüglich ihrer Bedienbarkeit so ausgewählt werden, dass auch ältere Menschen, die nicht mehr bereit oder in der Lage sind, sich mit technischen Neuerungen auseinanderzusetzen, diese Geräte bedienen können. Zu berücksichtigen sind vor allem zusätzliche Behinderungen und der Umstand, dass viele ältere Menschen ‑ und besonders Hochbetagte – nicht mehr so flexibel sind und nicht mehr in dem Umfang lernen können oder wollen wie jüngere Menschen.

 

Umfassende Rehabilitationsmaßnahmen für Blinde und Sehbehinderte, die als Hauptele­mente ein Orientierungs- und Mobilitätstraining und das Training lebenspraktischer Fertigkeiten enthalten, sollten in jedem Fall nur von ausgebildeten Fachkräften durchgeführt werden.

Am Anfang sollte grundsätzlich eine kompetente Sehrestberatung durchgeführt werden, bei der überprüft wird, wie durch den Einsatz von Sehhil­fen (Monokulare, Lupen, Bildschirm-Lesegeräte etc.), dem Betroffe­nen der Alltag erleichtert werden kann (Blankenagel 1996, S.175 ff).

 

 

4.   Praktische Tipps

 

Im Folgenden möchte ich einige Möglichkeiten beschreiben, die seh­behinderten und blinden Senioren sowohl bei häuslicher Pflege als auch im Altenwohnheim den Alltag erleichtern können. Sie sind als „erste Hilfe“ zu verstehen und machen Rat und Unterstützung durch Fachleute nicht entbehrlich.

 

4.1         Rechtliche Aspekte

 

Auch und gerade ältere Menschen sollten die Rechte, die blinde und sehbehinderte Personen haben, wahrnehmen und ausschöpfen. Wenn sie behinderungsbedingt nicht dazu in der Lage sind, Behördengänge auszuführen oder Anträge auszufüllen, sollten Angehörige und Pflegepersonen sie dazu ermutigen und ihnen die notwendige Hilfestellung leisten. Von der Beantragung des Schwerbehindertenausweises über Landeshilfe für Blinde und Sehbehinderte und das Pflegegeld bis zur Steuerermäßigung, die auch von Angehörigen geltend gemacht werden kann, bietet unsere Gesellschaft zahlreiche Hilfen, die zur erfolgreichen Lebensbewältigung trotz Sehschädigung beitragen können. Rat und Hilfe erhalten die Betroffenen und ihre Angehörigen bei den Blinden- und Sehbehindertenvereinen sowie bei Beratungsstellen für Behinderte (vgl. Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband 1999).  

 

 

4.2      Orientierung und Mobilität

 

Auch bekannte Räumlichkeiten müssen neu erarbeitet werden. Es ist wichtig, dass auffällige Gegenstände und Möbel, die für den Betrof­fenen leicht zu ertasten sind, immer an der gleichen Stelle vor­gefunden werden. Um zu lernen, sich in einem Raum zu orientieren, muss eine neuerblindete Person an den Wänden bzw. an den Möbeln entlang gehen. Dabei sollte viel Zeit darauf verwendet werden, die Gegenstände abzutasten und zu identifizieren, um sich danach an die Reihenfolge zu erinnern. Beispiel: („das ist der Fernsehses­sel, danach muss also der Wohnzimmerschrank kommen!“).

 

Sind mehrere gleichartige Türen im Raum, sollte man sie verschie­den kennzeichnen ‑ die wichtigste erhält z.B. ein an der Klinke befestigtes Tuch, ein Glöckchen oder gut fühlbare Klebestreifen.

 

Bei Menschen mit extremen Orientierungsdefiziten sollten Kopf- und Fußende des Bettes unterschiedlich gekennzeichnet und, wenn mög­lich, wenigstens der Weg zur Toilette erarbeitet werden. Bei Be­darf sollte ein gut tastbarer Handlauf an den Wänden im Flur an­gebracht werden.

Dies kann auch in Form einer dicken Schnur oder eines deutlich fühlbaren Klebestreifens geschehen. Derart wichti­ge Wege müssen frei von Hindernissen wie Möbeln und anderen Ge­genständen sein.

 

Der Betroffene sollte ermutigt werden, sich zumindest innerhalb seines Wohnbereiches möglichst frei zu bewegen. Beim Gehen entlang einer Wand tastet die blinde Person mit dem Knöchel der der Wand zugewandten Hand etwas voraus. Ist die Wand rauh verputzt, hält man mit der Oberfläche der Fingernägel Kontakt zur Wand, um Haut­abschürfungen zu vermeiden. Ist der Betroffene zu Beginn unsicher, unterstützt man ihn durch leichtes Halten am anderen Arm oder reicht ihm einen Stützstock.

 

Wird eine blinde Person geführt, so fasst sie ihre Begleitperson am Ellenbogen an oder hängt sich ein. Der Geführte ist so immer einen halben Schritt hinter dem Führenden. Der Führende sollte die blin­de Person nie vor sich her schieben, da dies zu Verunsicherung führt.

 

Beim Bücken sollte der Oberkörper nicht mit dem Kopf voran gebeugt werden. Wenn der ältere Mensch noch dazu in der Lage ist, sollte er dazu in die Hocke gehen; beim Aufstehen hält man eine Hand vor die Stirn, um Verletzungen zu vermeiden. Beim Durchqueren eines Zimmers hält die sehgeschädigte Person einen Arm quer vor den Kör­per, um nicht unerwartet an Tische, Stühle oder andere Einrich­tungsgegenstände zu stoßen. Ist mit offenen Fenstern oder Schrank­türen zu rechnen, wird ein Arm quer vor die Stirn gehalten.

 

4.3      Kommunikation

 

Kommt man zu einem blinden Menschen ins Zimmer, sollte man stets  seinen Namen nennen. Verlässt man den Raum oder ist vorübergehend nicht ansprechbar, sollte man es ebenfalls ankündigen. Lässt man einen erblindeten Menschen unterwegs einen Moment alleine, ist darauf zu achten, ihm einen Anhaltspunkt, z. B. einen Tisch, ein Geländer o. ä. zu zeigen.

 

4.4      Lebenspraktische Fertigkeiten

 

Um der erblindeten Person zu beschreiben, wo sich welches Nah­rungsmittel auf einem Teller befindet, stellt man sich den Teller in Form des Ziffernblattes einer Uhr vor. So kann man z.B. genau beschreiben: Das Fleisch befindet sich un­ten, zwischen sechs und acht Uhr, das Gemüse liegt zwischen zehn und zwölf Uhr, usw. Die neuerblindete Person sollte dazu ermutigt werden, weiter zwei Besteckteile zu verwenden. Hierbei können auch ungewöhnliche Methoden wie z. B. das Essen mit Gabel und Löffel praktiziert werden. Weiche Gerichte, wie Sahnetorte kann man z. B. auch mit Kuchengabel in der einen und Teelöffel in der anderen Hand essen. Der Kuchen wird dabei mit dem Teelöffel auf die Gabel geschoben. Sind Einschränkungen der Feinmotorik vorhanden, kann auch der Zeigefinger einer Hand zu Hilfe genommen werden.

 

 

4.5      Hilfsmittel

 

Zur Zeit gibt es nur wenige Blindenhilfsmittel, die die Bedürf­nisse gerade von im Alter erblindeten Menschen erfüllen. Die ein­schlägigen Artikel sind überwiegend für jüngere Menschen mit gutem Tastvermögen entwickelt. Eines der wichtigsten Hilfsmittel für den Alltag sind sprechende Uhren, die inzwischen recht preiswert in einigen Kaufhäusern angeboten werden. Auch sprechende Küchen- oder Personenwagen, Fieberthermometer, Blutzuckermessgeräte, elektro­nische Tropfenzähler zur Medikamentendosierung und vieles mehr sind bei Hilfsmittelverkaufsstellen für Sehgeschädigte erhältlich. Dort werden auch  tastbare Klebepunkte, mit denen z.B. die Skalen von Mikrowellenherden und anderen Geräten gekennzeichnet werden kön­nen, verkauft. Als weitere wichtige Hilfsmittel sind Telefone mit extragroßen Tasten, die in jedem Telefonladen erhältlich sind, zu nennen.

 

Wenn der Betroffene noch in der Lage ist, einen Kassettenrekorder zu bedienen, oder dies zu erlernen, ist ein Diktiergerät zum Auf­sprechen von Notizen sinnvoll. Ebenso kann die Mitgliedschaft in einer Blindenhörbücherei, die blinde Menschen kostenlos mit auf Kassetten gelesenen Büchern oder Zeitschriften beliefern, empfoh­len werden.

 

 

Die in diesem Beitrag aufgeführten Unterstützungsmaßnahmen und Hilfsmittel für im höheren Alter erblindete Menschen stellen nur einen kleinen Teil der vorhandenen Möglichkeiten dar. In jedem Fall sollte Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe am Ort oder zu ei­ner entsprechenden Beratungsstelle für Blinde und Sehbehinderte aufgenommen werden.

 

 

 

 

 

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17. März 2009

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